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Foto: Weinwurm

 


Prof. Gerhard Ederndorfer

 

Meisterwerke Teil IV: Weltberühmte Gemälde – eine Entdeckungsreise Jan van Eyck: Das Arnolfini-Porträt

Die erlesenen Details in Jan van Eycks Meisterwerk verleihen dem Doppelporträt eine überzeugende Authentizität.

Van Eyck (um 1390–1441)
war einer der bedeutendsten Vertreter der nordalpinen Renaissance und ein früher Meister der Ölmalerei.
Er war für seine detailgetreuen Gemälde berühmt.

Vermutlich wurde van Eyck zunächst als Buchmaler ausgebildet. Das könnte seine immense Beobachtungsgabe und sein großes Talent für die detaillierte Wiedergabe von Objekten und Figuren erklären. Seine frühesten bekannten Werke zeigen eine für jene Zeit unübliche Vorliebe für Porträts von Menschen vor einer Landschaft. Auf den Reisen im Dienste des Herzogs von Burgund ließ sich van Eyck von der Landschaft und Kunst anderer Länder inspirieren. Das Arnolfini-Porträt (National Gallery, London) und der Genter Altar sind seine bekanntesten Werke.

 

Die erlesenen Details in Jan van Eycks Meisterwerk verleihen dem Doppelporträt eine überzeugende Authentizität. Die Räumlichkeit ist natürlich, die Lichtbehandlung äußerst geschickt und der Bildaufbau streng komponiert. In einem üppig möblierten Zimmer steht ein wohlhabendes Paar. Ihre Rückenansicht ist in einem kunstvoll verzierten Spiegel in der Bildmitte zu sehen. Über die Identität des Paares wurde viel spekuliert.

 

Lange Zeit dachte man, dass es sich um den in Brügge lebenden italienischen Händler Giovanni di Arrigo Arnolfini handelt. Das Gemälde war als „Arnolfini- Hochzeit“ bekannt, bis sich herausstellte, dass beide bereits einige Jahre vor dem über dem Spiegel angegebenes Datum 1434 geheiratet hatten. Heute nimmt man an, dass das Porträt Giovannis Cousin und dessen Frau zeigt. Im Mittelpunkt des PROF. GERHARD EDERNDORFER Meisterwerke Teil IV: Weltberühmte Gemälde – eine Entdeckungsreise Jan van Eyck Das Arnolfini-Porträt Die erlesenen Details in Jan van Eycks Meisterwerk verleihen dem Doppelporträt eine überzeugende Authentizität. Gemäldes und im schönen Lichtschein des Fensters berühren sich ihre Hände als Zeichen der Zusammengehörigkeit.

 

Eine Sozialstudie Die meisten Betrachter fragen sich, ob Arnolfinis Frau schwanger ist. Neben dem vorgewölbten Leib, der damals als weibliches Schönheitsideal galt, deuten weitere Details auf eine Schwangerschaft hin. Doch es ist auch möglich, dass die Frau ihr Kleid lediglich rafft, um den Faltenwurf des prächtigen Stoffs zu zeigen. Und tatsächlich dient das Porträt wohl hauptsächlich dem Zweck, den Wohlstand und die gesellschaftliche Stellung des Paares im Brügge das 15. Jh. hervorzuheben.

 

Das Interieur des modisch flämischen Hauses ist üppig möbliert, die Porträtierten sind fein gekleidet, und bestimmte Symbole, die auch von anderen Künstlern verwendet und vom gebildeten Publikum jener Zeit verstanden wurden, betonen die strengen moralischen Prinzipien des Paares. Die überlang wirkenden Körper unterstreichen die stattliche Kleidung und den Eindruck von Reichtum und Ansehen.

 

Doch das Eindruckvollste an diesem Werk ist die Kunstfertigkeit des Malers. Van Eyck perfektionierte die Technik der Ölmalerei zu einer Zeit, als man vor allem mit Tempera malte. Durch den sorgfältigen, schichtweisen Farbauftrag sowie die Gestaltung der Details und Stofflichkeit erzeugt er die Illusion realer Objekte und Oberflächen: Der weich wirkende Pelzsaum der schweren Gewänder, der abgetretene Holzboden und die Orangen auf dem Tisch beim Fenster.

 

Details

ARNOLFINI – Die von einem riesigen Hut gekrönte Figur vermittelt den Eindruck von großem Reichtum und Ansehen. Sein Blick ist gesenkt, der Gesichtsausdruck ernst. Das steht im Gegensatz zur einladenden, fast winkenden Geste der rechten Hand, die er gerade in die Hand seiner Frau legen will.

 

ARNOLFINIS FRAU – Ein raffinierter Kopfschmuck aus feinem Leinen rahmt das lichtüberflutete, junge Gesicht.

 

TEURE STOFFE – Die gekonnte Modellierung des Faltenwurfs des smaragdgrünen Kleids betont die Qualität und Schwere des Stoffs. Vermutlich handelt es sich um Samt, der damals sehr teuer war.

 

LEUCHTER – Nur eine Kerze brennt auf dem eindrucksvollen Messingleuchter. Die einzelne Flamme symbolisiert den alles sehenden Gott. Es zeigt den starken christlichen Glauben des Ehepaars.

 

SPIEGEL in der Mitte – Zehn Miniaturgemälde umrahmen den runden Konvexspiegel. Die Kunstfertigkeit dieser Arbeit wurde damals in den Niederlanden hoch geschätzt. Mindestens vier Figuren sind im Spiegel klar erkennbar. Zwei zeigen das Paar von hinten, die dritte ist vermutlich der Maler van Eyck, die Identität der vierten ist nicht geklärt.

 

SCHUHE – In der unteren, linken Bildecke stehen Arnolfinis abgestreifte Holzschuhe. Bei genauer Betrachtung sind die fein detaillierte Holzmaserung und Schlammspritzer zu sehen. Die zierlich roten Schuhe der Ehefrau sind im Hintergrund vor der Bank unterhalb des Spiegels zu sehen.

 

HUND – Der Hund als wohl ältestes Haustier steht als Symbol für sehr gegensätzliche Bedeutungen. Auf diesem Gemälde befindet er sich zwischen beiden Besitzern und ist daher als Zeichen für Treue zu verstehen.


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