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Gute und weniger gute Seiten des Alters

Autor: Ingrid Korosec

Man kann gar nicht oft genug wiederholen, wie wichtig es ist, dass wir Älteren das Leben positiv sehen. Dass wir die Chancen und Möglichkeiten nutzen, die uns das „dritte Leben“, wie ich es gerne nenne, bringt. Frei zu sei von großen Familienverpflichtungen - zumindest freier als in jüngeren Jahren - mit der Pension über ein geregeltes Einkommen zu verfügen und noch relativ jung zu sein. Ja jung! Denn die 70-jährigen von heute sind meist so jung und fit wie die 50 –jährigen, die sie aus ihrer eigenen Jugend in Erinnerung haben. Und wer heute 80 Jahre alt ist, ist in den meisten Fällen auch viel aktiver als Menschen dieses Alters in früheren Zeiten. Es kommt auf das „biologische Alter“ an, nicht auf das, was in der Geburtsurkunde steht. Das sieht auch die Wissenschaft so. Und die durchschnittliche Lebenserwartung steigt weiterhin.

 

Das ist die gute Seite des Alters, an der wir uns alle erfreuen sollen. So lange es jedenfalls geht. Aber ein Gemeinwesen muss auch für jene Menschen Vorsorge treffen, deren Kräfte nachgelassen haben. Vor kurzem wurde der sogenannte Welt-Alzheimer–Tag begangen. Die Ärztekammer hat das zum Anlass genommen, eine bessere Vorsorge für die vielen zu erwartenden Fälle dieser Erkrankung einzufordern. Ich bin nicht immer auf der Seite der Ärztekammer, aber diesmal stimme ich ihr voll zu. Derzeit dürfte es ca. 100.000 Alzheimer-Betroffene in Österreich geben. Durch die steigende Lebenserwartung wird die Zahl dieser Patienten stark zunehmen. Demenz, Verwirrtheit bis hin zu völliger Unfähigkeit, sich allein versorgen zu können, sind die Folge. Diese Erscheinungen treten heute scheinbar häufiger auf, weil die Menschen viel älter werden. In früheren Zeiten ist man schon vorher an Krankheiten gestorben, die heute glücklicherweise behandelbar sind.

 

Bei allem Optimismus, den ich für die ältere Generation vertrete, müssen wir uns der Tatsache stellen, dass die Zahl der Pflegebedürftigen in den nächsten Jahren steigen wird. Zu Alzheimer kommen viele andere Ursachen dazu. Was wir vor allem brauchen sind Einrichtungen, damit diese Menschen möglichst lange zu Hause und in ihrer Familie gepflegt werden können. Tageszentren, wo sich die Patienten aufhalten können und betreut werden, einheitliche Pflegestandards und die Verankerung der medizinischen Hauskrankenpflege in den Leistungen der Kassen. Auf diese Leistungen müssen die Menschen einen Rechtsanspruch bekommen, gleichberechtigt zur Versorgung bei Krankheit. Und so fordere ich einmal mehr, dass beide, Krankenversorgung wie Pflege, aus einem Topf finanziert werden müssen. Nur dann kann das wirklich klappen.

 

 

ingrid.korosec@kronenzeitung.at