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Individuell und persönlich

Autor: Ingrid Korosec

Individuell und persönlich, so wollen wir alle behandelt werden. Sei es, dass wir uns etwas kaufen, sei es dass wir – noch! – etwas lernen wollen. Sei es, dass wir nur unsere bestehenden Fertigkeiten trainieren wollen. Es muss für alles Standards geben. Der Sportlehrer muss sein Ziel wissen, aber er sollte die Anforderungen auf unser persönliches Leistungsvermögen abstimmen.

 

Und ich werde auch nicht müde zu sagen, dass es ein Unfug ist, alle älteren Menschen einheitlich mit einem bestimmten Alter in Pension zu schicken. Das ist eine Vergeudung von Wissen und Möglichkeiten. Das einheitliche Pensionsalter sollte eine Vorgabe, nennen wir es Standard, sein. Abweichungen nach oben, so es alle Betilgten für sinnvoll erachten, müssen aber selbstverständlich und möglich sein. So wie es Abweichungen nach unten gibt, wenn jemand aus Gründen von Krankheit oder anderen Beeinträchtigungen nicht das Regel-Pensionsalter erreichen kann.

 

Individuell und persönlich sollte es erst recht im Fall einer Krankheit oder Pflegebedürftigkeit zugehen. Es ist eines meiner Ziele als Seniorenpolitikerin, hier mehr Menschlichkeit und Lebensnähe zu erreichen. Ich begrüße es daher lebhaft, wenn professionelle Pflegepersonen beteiligt werden sollen, wenn es um die Einstufung zum Pflegegeld geht. Eine ärztliche Untersuchung ist notwendig und genau so wichtig ist dabei auch die Erfahrung einer Pflegeperson, um eine genaue Einschätzung des tatsächlichen Pflegeaufwandes aufgrund vorhandener Defizite zu eruieren.

 

Das einzuschätzen, dazu braucht es die Kenntnisse des Alltags und – hier sind wir wieder – ein individuelles Eingehen auf Lebenssituationen. Hat das Haus, in dem der zu betreuende Mensch lebt, einen Lift? Oder gibt es am Ende gar keine automatische Heizung? Eine vorhandene Bewegungseinschränkung wäre in diesem Fall fatal. Selbstständiges Anziehen, eine Mahlzeit zubereiten, was sind tatsächlich noch die vorhandenen Fertigkeiten und wie viel Pflegebedarf bedeutet dies wirklich. Ebenso wie auch eine Verwirrtheit einen besonderen Betreuungsbedarf bedarf nach sich zieht.

 

Ich habe daher wenig Verständnis, wenn es gerade von Ärzteseite immer wieder Versuche gibt, dieses Vieraugen-Prinzip in der Begutachtung zum Pflegegeld abzubiegen. Zu warnen, wie das vor kurzem geschehen ist, dass Pflegekräfte die Begutachtung nur teurer machen würden, ist kurzsichtig. Wir gehen davon aus, dass sie dann treffsicherer wäre und spätere, höhere Kosten vermeiden helfen würde. Etwa weil ein alter Mensch dann eben vielleicht nicht sich selbst überlassen ist und man mögliche Gefahren, wie z.B. Stürze, besser vermieden werden können. Ganz abgesehen davon, dass sich hochbetagte Menschen wohl fühlen sollen.

 

 

ingrid.korosec@kronenzeitung.at