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Der Unfug mit den kleinen Schriften

Autor: Ingrid Korosec

Der Unfug mit den kleinen Schriften

 

Haben Sie eine Vorteilscard der ÖBB? Sind Sie noch dazu Seniorin oder Senior und buchen Sie damit gelegentlich eine Fahrkarte über das Internet? Dann werden Sie sich sicher auch schon gewundert haben, wie kundenfreundlich die ÖBB denken. Beim Kauf einer Karte über Internet müssen Sie einen Code eingeben, der auf Ihrer Vorteilskarte auf der Rückseite vermerkt ist. Ein 16-stelliger Code, aber dafür in winziger Schrift! Selbst wer keine Brille braucht, tut sich schwer, diese Zahlenschlange richtig zu erkennen und  ins Internet-Formular einzutippen. Netterweise steht nicht einmal daneben, dass dieses winzige Ungetüm der Code ist. Ratlose Vorteilscard-Bucher haben es sicher schon oft mit der anderen Nummer versucht, die auf dieser Karte aufgedruckt ist,  die ist etwas größer. Das ist aber leider die Nummer der Serviceline der ÖBB. Wenn sie dort anrufen und fragen wollen, wo sie ihren Code finden, sind garantiert „leider alle Nummern besetzt“, und das für längere Zeit, jedenfalls länger als ihre Geduld reicht.

 

Warum ich das so ausführlich hier schildere? Weil diese Vorteilscard, doch für Senioren gedacht, ein besonders gutes Beispiel dafür ist, dass sich die Gestalter überhaupt nichts denken. Tut mir Leid liebe Bundesbahn, ich kann es nicht anders nennen.

 

Doch es gibt auch andere Beispiele für den Unfug der zu kleinen Schriften. Als fortschrittlicher Senior wollen Sie immer wieder eine Überweisung per Internet tätigen, klar. Dafür müssen Sie in der Internet-Maske für die Überweisung ebenfalls eine spezielle Nummer angeben: Ihre „Kundendaten“, zu finden auf dem Erlagschein, der Ihnen mit der Rechnung übersandt wurde. Ohne diese Angabe, so die Warnung auf dem Erlagschein, ist die Zuordnung der Zahlung im „electronic banking“ schwierig. Diese Kundendaten sind ebenfalls ein langes Zahlenungetüm, zuletzt hatte ich es diesbezüglich mit 12 Stellen zu tun. Und natürlich in winziger Schrift angegeben, so dass man verdammt aufpassen muss, das richtig abzulesen. Wieder: Wer denkt sich hier was? Es wird doch möglich sein, das in lesbarer Form abzudrucken! Auch junge Leute haben nichts dagegen, wenn etwas klar und deutlich erkennbar ist.

 

Die Sache mit den klitzekleinen Aufschriften auf Lebensmittelpackungen, Putzmitteln und Kosmetika ist uns schon längst ein Ärgernis. Versuchen Sie einmal zwischen den Regalen im Supermarkt schnell festzustellen, welche Anleitung für ein bestimmtes Wasch-oder Putzmittel gegeben wird, wofür es geeignet ist oder nicht. Man hat den Verdacht, die Hersteller wollen gar nicht, dass die Kunden durchschauen, was sie da kaufen. Muss der Gesetzgeber wirklich alles durch Vorschriften erzwingen?

 

ingrid.korosec@kronenzeitung.at