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Lebensjahre und das wahre Alter

Autor: Ingrid Korosec


Ja, ja, unsere Bevölkerung wird immer älter und so mancher „Experte“ des Sozial- und Gesundheitssystems warnt landauf, landein vor den damit verbundenen Konsequenzen. Wir wollen das gar nicht mehr hören. „Was ist alt?“, möchte man dem spontan gegenüber halten. Jeder und jede ist so alt und so leistungsfähig, wie sie sich fühlen.

 

Es tat gut, in diesem Sommer bei den Gesundheitsgesprächen in Alpbach auf eine Wissenschafterin zu stoßen, die mit fundierten Zahlen der Klage über die alternde Bevölkerung entgegentrat. DI Dr. Isabella Buber-Ennser von der Akademie der Wissenschaften stellte dort klar, dass nicht nur das Alter nach Geburtstagen zählt. Worauf es ankommt ist, wie viele Jahre man etwa mit 65 Jahren noch zu erwarten hat. Und im speziellen wie viele gute Jahre bei erhaltener Gesundheit.

 

Schaut man die Statistiken näher an, stellt sich heraus, dass heute 40 Jährige so alt sind wie früher die 30 Jährigen. 1952 hatte bei uns ein 30 Jähriger noch 45 Lebensjahre zu erwarten. 2005 traf das exakt für eine Person mit 40 Jahren zu. Genau so ist es mit der bisher gängigen Auslegung, dass man ab 65 „alt“ sei. Alt, so die These der Wissenschafterin, ist man dann, wenn man noch 15 Jahre oder weniger an Lebenserwartung vor sich hat. Nimmt man das als vernünftiges und realistisches Maß, sieht es mit der „Überalterung“ erst recht nicht tragisch aus. Österreich hat heute einen Bevölkerungsanteil von 12 % an Personen mit 15 oder weniger Jahren an Lebenserwartung. 2045 werden es 19 % sein. Das liegt geringfügig über den Werten für Westeuropa. Nach konventioneller Lesart wäre Japan das Land mit der „ältesten“ Bevölkerung. Setzt man das Maß mit den verbleibenden 15 Jahren an, ist es dagegen die Ukraine! Schwierige Lebensumstände, Armut und schlechte Sozialeinrichtungen drücken dort die Lebenserwartung. Bei uns hat nicht nur die Lebenserwartung ab Geburt seit den 70er Jahren stark zugenommen, sondern auch jene Lebensspanne, die ältere Menschen noch ohne gesundheitliche Beeinträchtigung vor sich haben.

 

Was lernen wir daraus? Erstens, wie wichtig eine gute medizinische und soziale Versorgung ist. Stichwort Vorsorgeuntersuchung beispielsweise. Leider ist es noch immer so, dass von regelmäßigen medizinischen Checks vor allem Personen mit besserer Schulbildung Gebrauch machen. Frauen mehr als Männer. Zweitens aber: Dass die „älteren“ heute großes Potenzial für unsere Gesellschaft haben. Sie können arbeiten, so man sie lässt. Sie können konsumieren – wichtig für die Wirtschaft. Und sie können für die Gesellschaft, für Familien und Freunde, für die nächste(n) Generation(en) so manchen wichtigen Beitrag leisten.


Ingrid.korosec@kronenzeitung.at