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Vom Wert der Älteren

Autor: Ingrid Korosec


Liebe Leserinnen und Leser, vielleicht haben Sie es registriert: Als die Metallarbeiter vor einigen Wochen in ihre Lohnverhandlungen gingen, war es für sie ganz selbstverständlich, dass sie als Richtwert für die prozentuelle Erhöhung ihrer Einkommen einen „Zweier“ vor dem Komma erwarteten. Irgendetwas jenseits der zwei Prozent sollte es werden. Das ist ein Wert weit über der aktuellen Inflationsrate. Niemand hat ihnen lautstark vorgeworfen, mit dieser Forderung „rücksichtslos“ zu sein, auch nicht die Industriellenvereinigung, die ja sonst die Wünsche nach Einkommenserhöhung oft scharf kommentiert und abbiegen möchte. Die Metallarbeiter und andere Berufsgruppen sollen so viel bekommen, wie es die wirtschaftliche Situation erlaubt. Das ist unser gesellschaftlicher Konsens. Die mit niedrigen Löhnen ebenso wie jene, die aufgrund der von ihnen erworbenen Qualifikationen höhere Bezüge haben. Klar, dass die Metaller mit Maximalforderungen in die Verhandlungen gehen, auch das gehört zu den akzeptierten Regeln. Die Kaufkraft der Menschen muss erhalten bleiben, wenn wir unsere Konjunktur einigermaßen stützen wollen.

 

Wenn es aber um die Pensionisten geht, wird plötzlich ganz anders gerechnet. Fordern sie Erhöhungen jenseits der allgemeinen Inflationsrate, heißt es allenthalben, das gehe zu Lasten anderer Generationen. Ich will hier an dieser Stelle nicht zu rechten anfangen. Gewiss ist aber, dass niemand, auch nicht die so genannten "Experten“, voraussagen kann, wie sich unsere Wirtschaftslage in etwa 30 Jahren darstellen wird. So wie niemand in den 70er Jahren unsere heutige Lage erahnen konnte. Im Jahr 2040 kann alles viele besser sein als heute, vielleicht auch schlechter, sicher aber anders, als wird uns das heute ausmalen können. Die Politik und die Sozialversicherer können immer nur über eine überschaubare Zukunft seriöse Aussagen machen und daran modellieren. Und so weiß man, dass es in den nächsten 10 bis 15 Jahren keine ernsten Probleme geben wird, den heutigen Pensionsstandard zu halten. Kleine Modifikationen werden und wurden über die Jahre hinweg gemacht.

 

Ganz wichtig ist es daher, nicht zu vergessen, wie wichtig für die Nachfrage die mehr als 2 Millionen Pensionsbezieher in Österreich sind. Auch wir „Älteren“ schaffen Werte. Alles was von uns ausgegeben wird, kommt über Wirtschaftsleistung und Steuern ja zurück. Und sollen die Älteren z.B. selbst mehr als bisher für ihre Gesundheit vorsorgen, muss man ihnen auch das nötige Einkommen dazu geben. Ich bitte, sich mehr über den Wert, den die Älteren in unsere Gesellschaft und Wirtschaft einbringen, den Kopf zu zerbrechen.

 

ingrid.korosec@kronenzeitung.at