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Sparen ja – aber bitte nur sinnvoll!

Autor: Ingrid Korosec


Sparen ja – aber bitte nur sinnvoll!

 

Immer öfter wird gemeldet, dass der Höhepunkt der Krise in den USA und in Europa überwunden scheint. Aber auch, dass wir uns darauf einstellen müssen, dass bei uns normal Sterblichen die Krise im nächsten Jahr erst so richtig ankommen wird. Es soll trotz zartem Aufschwung mehr Arbeitslose geben. Als Beobachter tut man sich schwer, Aufschwung und mehr Arbeitslose miteinander in Verbindung zu bringen. Gelegentlich hat man den Verdacht, dass hier vor allem die Chance ergriffen werden soll, bisherige Strukturen zu eigenen Gunsten zu ändern.

 

Fest steht, dass die Krankenkassen zu den ersten gehören, die die sinkende Beschäftigung spüren. Wo keine oder nur geringe Sozialversicherungsabgaben geleistet werden, wirkt sich das in den Budgets prompt aus. Ich verstehe durchaus, dass gespart werden soll - aber bitte sinnvoll! Wenn man aus Salzburg hört, dass dort die Krankenkasse die Liste jener Medikamente radikal gekürzt hat, die der Arzt frei verordnen darf, zweifle ich an der Sinnhaftigkeit dieser Maßnahme. Dort sollen die Ärzte jeweils nur mehr jenes Präparat aufschreiben dürfen, das „zum Tageskurs“ das jeweils billigste in seiner Klasse ist. Von vielen gängigen Medikamenten gibt es ja mehrere Anbieter. Der Arzt als Jongleur zwischen Medikamentenpreisen. Er muss mehr die Preise als die Befindlichkeit seiner Patienten im Auge haben. Bietet sich hier einfach die Möglichkeit, die Ärzte mehr als bisher ans Gängelband zu nehmen? Leider trifft es halt die Patienten.

 

So wie sich die Studenten im Audimax in Wien gegen die totale „Ökonomisierung“ des Studiums wehren, so wehre ich mich im Interesse aller Patienten gegen die totale Ökonomisierung der Medizin. Beratung und Gespräch müssen Vorrang haben vor reinem Zahlendenken! Wenn pro Medikamentenschachtel vielleicht heiße 3 Cent eingespart werden, bringt das gar nichts gegenüber der Verunsicherung, der man die Patienten aussetzt. Besonders für ältere chronisch kranke Menschen ist es eine echte Verschlechterung, wenn ihre Medikation ständig geändert wird. Hat schon jemand die Kosten dieser Folgen berechnet?

 

Ich bin auch strikt dagegen, dass Hausapotheken bei Ärzten in ländlichen Gebieten geschlossen werden sollen, allein weil es in 6 km Entfernung eine echte Apotheke gibt. Wem soll das etwas bringen? Sicher nicht den Patienten, eher schon den Apothekern. Die Apotheke beim Arzt war bisher günstig und nah. Kann ein neuer Arzt im Dorf keine Hausapotheke mehr führen, wird sich für viele Gegenden schwer ein Arzt-Nachfolger finden. Ist halt Pech für alle, die nicht motorisiert sind. Es wäre zynisch, auch das als Sparprogramm zu verkaufen.

 

ingrid.korosec@kronenzeitung.at