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Wir wollen wieder etwas Stille haben!

Autor: Ingrid Korosec


Wäre ich Vertreterin der Handelsangestellten, so würde ich jetzt vor Weihnachten darauf dringen, dass die Dauerbeschallung in Kaufhäusern, Einkaufszentren aber auch in kleinen Boutiquen reduziert wird. Die Beschäftigten in Restaurants und Gasthäusern sollten sich gleich anschließen. Lärm und vor allem die Dauerberieselung mit Lärm ist zu einer der Plagen unserer Gesellschaft geworden. Jetzt vor Weinachten in der „stillsten Zeit des Jahres“ empfinden wir das als besonders störend. Wir wollen wieder etwas Stille und Ruhe zurückhaben!

 

Die Dauerbeschallung mit Musik und flotten Sprüchen wurde eingeführt, um die Kauflaune der Kunden zu unterstützen. Ich bin mir sicher, dass das vielerorts bereits ins Gegenteil umgeschlagen hat. Die Dauerberieselung macht viele Besucher müde, enerviert und deprimiert sie. Oder sie lässt die Kunden ungeduldig und aggressiv werden. Viele fühlen sich einfach nur geschafft und wissen gar nicht warum. Durch den Supermarkt mit Musik und Werbesprüchen müssen alle durch, um ihre Besorgungen zu machen. Wenn man dann endlich an der piepsenden Kasse angekommen ist und dort noch ein Endlosvideo mit Endloston ein neues Reinigungsgerät anpreist, knickt man fast ein. Potenzielle Käufer könnten sich einer solchen Situation durch Flucht entziehen. Die armen Angestellten müssen in jedem Fall bleiben, das alles durchstehen und sehen, dass sie ihre Ziele erfüllen. Es wäre einmal eine wissenschaftliche Untersuchung wert, festzustellen, ob die penetranten Dauerberieselungen tatsächlich höhere Umsätze bringen. Und auf die Angestellten und deren Bedürfnisse könnte man eigentlich auch hören.

 

Es ist ja nicht so, dass wir ja nicht ohnehin genug Lärmquellen haben. In den Büros wird es immer brummiger und lauter, unter anderem, weil dort schon jeder Angestellte heute Handy und Festnetz und dazwischen PC, Fax und Kopierer bedient. Die Wege zwischen Wohnung und Arbeitsplatz sind für die meisten Menschen ebenso mit Lärm erfüllt. Wir haben es geschafft, echt große Lärmbelastungen durch Maschinen oder Baugeräte als solche zu definieren und für die betroffenen Arbeitnehmer Schutzmaßnahmen durchzusetzen. Aber wir haben übersehen, dass der ganz normale Dauerschallpegel auch ohne große Lärmspitzen ebenso zu einer Gefahr für Gesundheit und Psyche wird. Wer dann noch in einer Wohnung oder in einem Haus lebt, die dauerndem Straßenlärm ausgesetzt sind, und vielleicht auch noch private Sorgen und Probleme hat, gerät leicht in einen allgemeinem Erschöpfungszustand, aus dem er nicht so bald wieder herausfindet. Stille wurde zu einem Privileg. Davon sollten wir mehr für uns alle fordern!

 

ingrid.korosec@kronenzeitung.at