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Müssen wir uns rechtfertigen?

Autor: Ingrid Korosec


Man hat den Pensionisten nach Jahren des Stillstands endlich eine kleine Pensionserhöhung zugesagt – landauf und landab heißt es jetzt immer wieder, „das sei nicht zu rechtfertigen.“ Den älteren Mitbürgern wird ein schlechtes Gewissen vermittelt, als ob sie mit der bescheidenen Anhebung unsere Gesellschaft schädigten.

Wir müssen uns nicht rechtfertigen – und jene in der Politik, die so klug waren zu erkennen, dass bei den Pensionen etwas zu korrigieren war, müssen das auch nicht! Pensionen sind eine Versicherungsleistung, die die Menschen bekommen, weil sie selbst lange Jahre hindurch mit ihren Beiträgen das System für die damals ältere Generation finanziert haben. Das ergibt einen Rechtsanspruch. Viele von uns haben 40 oder gar mehr Jahre lang ihre Pensionsbeiträge bezahlt -  einige, weil sie gut verdienten, sogar zu der jeweils geltenden Höchstbeitragsgrundlage. Die Bedingungen in der Wirtschaft und in der Gesellschaft haben sich seit den 60er- oder 70er Jahren geändert.  Die Pensionsprognosen von damals gehen sich heute nicht mehr so einfach aus. Die Politik hat dem mehrmals Rechnung getragen. Die Durchrechnungszeiträume wurden verlängert, für Frühpensionierungen gibt es seit der letzten Pensionsreform Abschläge usw.

Aber dann, wenn sie einmal in Pension sind, darf sich nicht nachträglich etwas für die Menschen verschlechtern! Dann muss man den Wert dieser Bezüge erhalten. Genau darum geht es in der jetzigen Debatte aus meiner Sicht.  Das Einkommen, mit  dem die Menschen ihren Ruhestand angetreten haben, muss ihnen bleiben. Alles andere wäre grober Missbrauch des Vertrauens zwischen den Generationen. Auch die, die jetzt jung und aktiv sind, werden nicht wollen, dass man mit ihnen einmal so umspringt.

Für mich ist daher klar, dass es alle Jahre lineare Erhöhungen geben muss. Und zwar für alle Pensionen, auch für die so genannt „höheren“.  Diese Menschen haben ein Leben lang entsprechende Leistungen erbracht und sich darauf verlassen, dafür einmal einen Gegenwert zu bekommen. Kleine Fixbeträge, wie sie nun 2008 zum wiederholten Male für die besseren Pensionen angesagt sind, bedeuten praktisch nichts anderes als Pensionskürzungen. Für die Betroffenen hat das über die Jahre einen echten Kaufkraftverlust gebracht. Schön, dass es gelungen ist, die Mindestpensionen kräftiger zu erhöhen. Aber das kann nicht einfach auf dem Rücken der übrigen Pensionisten geschehen.

Umverteilung zwischen Besserverdienern und Menschen mit geringem Einkommen geschieht über die Steuern. Das ist unser gesellschaftliches Selbstverständnis und akzeptiert. Umverteilung über die Pensionshöhe war hingegen nie ausgemacht.

ingrid.korosec@kronenzeitung.at