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Eine solide Basis nach der Krise

Autor: Ingrid Korosec


Unsere Wirtschaft und unsere Gesellschaft werden beide von der größten Krise seit langem durchgebeutelt. Ich glaube man kann mit Fug und Recht sagen, das Ende des „schnellen Geldes“ ist gekommen. Einer Mentalität, die wider alle Erfahrung glaubte, das Kunststück zuwege bringen zu können, in wenigen Jahren so viel Geld anzuhäufen, wie es anderen in Generationen gelungen ist. Viele hoffnungsfrohe Menschen müssen nun einsehen, dass dem nicht so ist. Und auch Lehrgeld dafür zahlen. Es wird wohl einige Jahre dauern, bis sich die Kurse vieler Aktien wieder erholt haben. Solides Wachstum wird wieder geschätzt werden.

Für viele unter uns Älteren sind die Entwicklungen der vergangen Monate wohl keine so große Überraschung. Wir haben immer dazu tendiert, die Dinge mit Maß zu sehen. In unserer Umgebung, in unseren Familien und in unserem Tätigkeitsbereich können wir jetzt Stabilität vermitteln. Es besteht kein Grund, wirtschaftlich die Nerven wegzuwerfen. Wir müssen uns aber wohl auf ein paar mäßigere Jahre einstellen. Die Großelterngeneration kann viel dazu beitragen, dass das nicht als Katastrophe gesehen wird.

Für unser Gesundheits- und Sozialsystem, das mir mein Politikerleben lang besonders am Herzen liegt, heißt das, dass wir auch dort eine stabile Basis brauchen. Wir müssen es solidarisch finanzieren und allen Menschen dieselben Zugangsrechte sichern. Für mich kann das nur bedeuten, dass wir unser Gesundheitssystem auf Steuerfinanzierung umstellen müssen. Gerade jetzt sollten wir das überdenken. Die Leistungen für die Menschen müssen in allen Bundesländern gleich sein. Den grotesken Fall, dass die Versorgung in einem Bundesland besser ist als in einem anderen, weil die dortige Krankenkasse momentan mehr Beitragseinnahmen hat, darf es nicht geben. Auch die Ärzte sollen überall für ihre Leistung einheitlich honoriert werden. Dann hätten alle Bürger die gleichen Rechte – und die gleichen Pflichten. Ein jeder würde nach seinen Einkommen dazu beitragen.

Dann würden endlich auch Spitäler und niedergelassene Ärzte aus einem Topf bezahlt werden und wir könnten eine vernünftige Aufgabenaufteilung erreichen. Jetzt versuchen Kassen und Spitäler jeweils, die Kosten dort entstehen zu lassen, wo sie sie nicht selbst finanzieren müssen. Die Leidtragenden sind die Patienten, die hin- und hergeschoben werden.

Auch die Pflege muss gleichberechtigt in dieses System aus Steuermitteln einbezogen werden. Das wird dort auch die Qualität erhöhen. Pflegebedürftige und deren Angehörige müssen ein Recht auf Pflegeleistungen haben und nicht wie jetzt als Bittsteller Anträge auf Zuschüsse usw. stellen müssen.

ingrid.korosec@kronenzeitung.at