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Mut statt nur Wut: Sachliche Kritik hilft uns weiter!

Autor: Ingrid Korosec

Ingrid Korosec

Mut wäre besser als Wut! Das fällt mir,  liebe Leserinnen und Leser, ein, wenn ich von den sogenannten „Wutbürgern“ lese oder höre.  Der Wutbürger hat es in der Hitliste der aktuellen Wörter ziemlich weit nach oben gebracht. Verschiedene Persönlichkeiten rufen immer wieder dazu auf, sich als „Wutbürger“ zu betätigen.  Sprich, seinen Ärger mit politischen oder gesellschaftlichen Verhältnissen, am Arbeitsplatz oder mit den Nachbarn, wo immer, frei zu äußern. Ich gebe zu, es gibt einiges, was uns als Staatsbürger wütend werden lässt.

Wut allein wird uns aber nicht weiter helfen. Es braucht Bürger, die auch den Mut haben, ihre Unzufriedenheit ganz konkret zu benennen. Und die zu dieser Unzufriedenheit stehen.  Schon zum Unterzeichnen einer Unterschriftsliste, braucht es ein bisschen Mut. Viele scheuen aber zurück, wenn sie ihren Namen für etwas angeben sollen. Erst recht braucht es Mut, um eine konkrete Beschwerde einzubringen oder gar ein gerichtliches Verfahren anzustreben. Aber wir können nichts verändern, wenn wir nicht zu etwas stehen und dafür vielleicht sogar vorübergehend Nachteile in Kauf nehmen. Etwa die, dass Freunde und Nachbarn uns nicht folgen wollen oder können, weil sie eben selbst am liebsten nirgends anecken wollen.

Sie fühlen sich beispielsweise von ihrer Krankenkasse schlecht behandelt?  Sie sind unzufrieden mit einem Arzt oder mit einem Spital? Mit Ihrer Hausverwaltung? Mit der Verkehrsverbindung? Mit den Öffnungszeiten Ihres Supermarkts oder denen eines Amts? Was immer. Man sollte die erste Ungehaltenheit ruhig eine Zeit lang abliegen lassen. Diese Selbstprüfung, ob die Unzufriedenheit sachlich wirklich gerechtfertigt ist, schadet nicht. Wir wollen ja nicht Querulanten werden.

Immer und überall zu nörgeln und verdrießlich zu sein, schreibe ich eben eher den „Wutbürgern“ zu als den „Mutbürgern“. Aber wenn die Bedenken  und die Kritik Hand und Fuß haben, äußern Sie bitte Ihre Kritik. Konstruktive Kritik kann helfen, Dinge zu verbessern. Es ist für die PolitkerInnen, und damit auch für mich, wichtig, darüber Bescheid zu wissen. Nur so können auch wir handeln.  Auch wir brauchen Verbündete im besten Sinne des Wortes, wenn wir Sachverhalte aufklären sollen.

Schaffen wir es nicht, Unzufriedenheit in konkrete Worte zu fassen, bleibt vielleicht wirklich nur das dumpfe Gefühl der Wut.  Das kostet einiges an Energie, drückt auf unsere Laune und auf unser Leben. Es ist einfach schade, wenn wir Gelegenheiten nicht ergreifen, den Dingen einen besseren Lauf zu geben.


ingrid.korosec@kronenzeitung.at