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Porträt der Malerin Edith Kramer

Die "Mutter der Kunst-Therapie"


Die Gössler Bauern aus der Gemeinde Grundlsee haben einer gebürtigen Wienerin eine winzige Almhütte im Eibel auf 1750 Metern gerne überlassen, damit sie dort oben malen und wohnen kann.Man höre und staune, diese Dame ist 87 Jahre vorbei und bleibt dort oft bis zum ersten Schnee ohne Licht, Wasser, Telefon und bar jeder Zivilisation. Dabei hat sie in Grundlsee ein komfortables Haus auf einem schönen Seegrundstück mit Atelier, Kachelofen und allen Bequemlichkeiten, die man sich denken kann.
Es handelt sich um "Die Mutter der Kunsttherapie", Edith Kramer, Nichte des Lyrikers Theodor Kramer väterlicherseits und der Schauspielerin Elisabeth Neumann-Viertl. Jeden Herbst übersiedelt Edith Kramer nach New York, wo sie an der Uni immer noch einmal wöchentlich Studenten (Master of Art) unterrichtet. Sie ist auch in Österreich bei Symposien gefragt und als Zeitzeugin unentbehrlich.

Zwischen den Weltkriegen als Kind jüdischer Eltern in einem Kreis von Künstlern, Psychoanalytikern und Intellektuellen aufgewachsen, hat sie von Anfang an gezeichnet und gemalt. Davon leben hätte sie nicht können, sagt sie heute. Aber ihre naturalistischen Gemälde sind im Ausseerland sehr gefragt. Ein befreundeter Tischler in Grundlsee ist sogar glücklicher Besitzer eines echten Edith Kramer-Freskos an der Wand seiner Werkstatt. In der Villa Bielka hängt ein Portrait dieses längst verstorbenen österreichischen Ministers, im Gabilon-Haus findet man ein Original von ihrer Hand, und die Gössler Bauern sind stolz auf das Ölbild, das sie von ihr besitzen.

Brennessel-Spinat und Distelböden
Kramers Rucksack läßt sich in eine selbstgebastelte Staffelei umbauen. Sie scheut ein Handy und hat für den Notfall ein Trillerpfeiferl. Jeden zweiten Tag kommt ein befreundeter Betreuer und holt Wasser von der Quelle, hackt Holz und bringt ein bescheidenes Quantum an Grundnahrungsmitteln. Im Sommer isst sie, was der Almboden hergibt. Mit Vorliebe Brennesselspinat mit Butter und Brösel oder eingerollte junge Farne oder Distelböden.

Abgesehen von einer Schwerhörigkeit ist Frau Kramer, von den Freunden "Mummi" genannt, gesund. Heuer haben ihr die ersten 10 Tage auf der Alm wieder Kraft gegeben, obwohl sie für das letzte steile Wegstück von der Forststraße bis zur Hütte schon sehr lange braucht.

Vor zwei Jahren erlitt sie in Paris einen Beinbruch und mußte genagelt werden. Seither trägt sie aufgedoppelte Schuhe, weil ein Bein kürzer geworden ist.

Reformschule und Kunsttherapie-Programme
Die mit dem Ehrenzeichen der Stadt Wien und dem Goldenen Verdienstkreuz des Landes ausgezeichnete Spezialistin für psychologisch orientierte Pädagogik hat nach der lebensnotwendigen Emigration zwischen 1938 und 1941 in einer progressiven Reformschule in Greenwich Village mit sehr schwierigen Kindern gearbeitet und später Kunsttherapieprogramme für psychisch gestörte Buben aus den Slums ausgearbeitet.

Auch für Krankenhäuser entwickelte sie Programme, arbeitete mit blinden Kindern, erhielt Stipendien. Durch ihre Lehrtätigkeit an Universitäten und Ausstellungen eigener Werke machte sie sich in den Staaten einen Namen. Sie schrieb drei Standardwerke in Sachen Kunsttherapie, eines wurde in sieben Sprachen übersetzt und gilt als grundlegender Baustein in der Ausbildung für Kunsttherapeuten.

In zwei Welten zu Hause
Bei einem Gespräch auf der Alm (zwischen zwei Blumenbildern) sagt sie, dass sie sehr gerne in New York lebt, aber auch sehr froh, glücklich und zufrieden ist, in Grundlsee und im Eibel sein zu können. Sie ist einfach in zwei Welten zu Hause. Hoffentlich noch recht lange.