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„Der Staat hat das Problem erkannt“

AMS-Vorstand Dr. Johannes Kopf: „Bei Kündigung so rasch wie möglich beim AMS melden und so früh wie möglich mit der Jobsuche beginnen.“/Foto: AMS/Pungovschi
Ältere werden von der Wirtschaft gebraucht und geschätzt. Wenn sie aber einmal arbeitslos geworden sind, ist es für sie schwieriger, einen neuen Job zu finden/Foto: Fotolia.com

AMS-Vorstand Dr. Johannes Kopf über die Beschäftigung Älterer

 

Die Zahl der Beschäftigten über 50 nimmt zu – aber auch die Zahl der Arbeitslosen. ab5zig fragte den Vorstand des AMS, Dr. Johannes Kopf, wie gegengesteuert wird.

 

Was sind die jüngsten Daten über die Beschäftigung und über die Arbeitslosigkeit von Menschen über 50? Deren Beschäftigung ist in den vergangenen Jahren gestiegen, gleichzeitig haben viele ihren Job verloren.

Die Zahl der Beschäftigten über 50 ist hoch und nimmt durch die Alterung der Bevölkerung von Jahr zu Jahr weiter zu. Gleichzeitig steigt damit aber auch die Zahl der arbeitslosen Personen. Die Arbeitslosenquote von Personen über 50 lag Ende Februar mit 11,2 Prozent zwar nicht massiv, aber doch über der Gesamtarbeitslosigkeit von 10,1 Prozent. Grundsätzlich gilt: Ältere werden seltener gekündigt als jüngere Menschen. Wenn sie aber einmal arbeitslos geworden sind, ist es für sie schwieriger, einen neuen Job zu finden.

 

Warum wollen Betriebe und Organisationen keine älteren Menschen?

Viele Leistungsträger und Führungskräfte in den Betrieben und Organisationen sind bereits älter als 50, das heißt: Ältere werden von der Wirtschaft wegen ihres Know-hows und ihrer Erfahrung durchaus gebraucht. Verliert eine Person über 50 jedoch ihren Job, so tritt plötzlich ein Phänomen auf, das man „Instant Ageing“ nennen kann. Erst durch die Arbeitslosigkeit werden Ältere am Arbeitsmarkt als weniger attraktiv und schwer vermittelbar eingestuft.

 

Wie sieht das im öffentlichen Dienst aus? Bis zu welchem Alter wird man dort genommen?

Der öffentliche Dienst kennt in den meisten Bereichen im Recruiting nach oben hin keine Altersbeschränkung. Wir im AMS haben vor einiger Zeit einen 59-jährigen IT-Fachmann eingestellt, weil er eindeutig der Beste aller Bewerber war. Leider hat uns dieser hoch qualifizierte Kollege ein paar Jahre später wieder in Richtung Pension verlassen.

 

Was halten Sie von einer verpflichtenden „Altenquote“?

Anstelle von verpflichtenden Quoten würde ich eher Anreize und Maßnahmen zur positiven Veränderung von Vorurteilen gegenüber Älteren vorschlagen. Dazu gehört beispielsweise die von der Regierung geplante Aufhebung des Kündigungsschutzes für über 50-Jährige. Dadurch wird das alte Vorurteil bekämpft, von Älteren könne man sich nicht mehr trennen.

 

Was können Personen ab 50 tun, um zu verhindern, aus dem Job zu fallen? Für viele gibt es keine Weiterbildung mehr oder sie trauen sich nicht, die Weiterbildung einzufordern.

Wie für alle Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer sind auch für Beschäftigte Engagement, Flexibilität und lebenslanges Lernen enorm wichtig. Das AMS fördert die Weiterbildung von älteren Beschäftigten in Betrieben. Unternehmen, die über 45-jährige Beschäftigte qualifizieren, erhalten 50 Prozent der Kurskosten und 50 Prozent der Personalkosten ab der 25. Kursstunde. Im Vorjahr haben mehr als 3.600 über 50-jährige Beschäftigte davon profitiert.

 

Was tun, wenn „es“ aber trotzdem passiert?

Personen, die gekündigt wurden, sollten sich so rasch wie möglich beim AMS melden und so früh wie möglich mit der Jobsuche beginnen. Personen, die das Ende ihres Beschäftigungsverhältnisses bereits kennen, sollten uns ihre Daten zur Stellensuche bereits vorab online bekanntgeben. Durch die Arbeitslosfrühmeldung verbessern sie ihre Chancen, möglichst rasch wieder eine geeignete Beschäftigung zu finden und können gleichzeitig Lücken in der Krankenund Pensionsversicherung verhindern.

 

Ist Selbstständigkeit ein Ausweg?

Selbstständigkeit ist ausschließlich für jene Personen sinnvoll, die eine konkrete Geschäftsidee und ausreichend Branchenerfahrung haben. Durch das Unternehmensgründungsprogramm unterstützt das AMS die Gründung von rund 5.000 neuen Betrieben pro Jahr. Jeder fünfte Gründer bzw. jede fünfte Gründerin ist bereits älter als 50 Jahre. Die „Überlebensquote“ ist hoch, fast zwei Drittel der Betriebe sind auch noch nach fünf Jahren am Markt.

 

Was tut das AMS, um Älteren bei der Jobsuche zu helfen?

Das AMS unterstützt Ältere bei der Jobsuche durch gezielte Information, Vermittlung und Fördermaßnahmen. Neben zahlreichen Angeboten zur Ausund Weiterbildung fördert das AMS die Beschäftigung von Menschen ab 50, die bereits sechs Monate auf Jobsuche sind, durch Eingliederungsbeihilfen. Betriebe erhalten dabei zeitlich befristet einen Teil der Lohn- und Lohnnebenkosten vom AMS refundiert. Im Vorjahr haben mit dieser Förderung rund 16.000 Menschen über 50 wieder einen Arbeitsplatz gefunden.

 

Was kann der Staat tun?

Der Staat hat das Problem der Arbeitslosigkeit Älterer erkannt und Maßnahmen zur Beschäftigungsförderung von Älteren erstellt. Dazu gehören z.B. die Aufhebung des Kündigungsschutzes und die Beschäftigungsinitiative 20.000

 

Wird das jüngste Programm für 20.000 staatlich geförderte Jobs greifen?

Ja. Geplant ist die Schaffung von 20.000 öffentlich geförderten Arbeitsplätzen für über 50-jährige langzeitarbeitslose Menschen bei Gemeinden, gemeinnützigen Vereinen und Unternehmen. Einen Teil der neu zu schaffenden Arbeitsplätze werden wir über das bewährte Instrument der sozialökonomischen Betriebe künftig anbieten, der Erfolg des Programms wird jedoch von der regionalen Kreativität, dem Engagement und dem Organisationstalent der mehr als 2.000 Gemeinden abhängen. Nur vor Ort können solche Arbeitsplätze und die Nachfrage nach einer neuen, sozialen Dienstleistung erdacht und organisiert werden. Wie viele solche Arbeitsplätze in relativ kurzer Zeit entstehen können, ist stark vom politischen Willen vor Ort abhängig.

 

Stellen Flüchtlinge eine Konkurrenz für Menschen ab 50 dar, was die Jobs betrifft?

Nein, Asylberechtigte stellen derzeit keine Konkurrenz für ältere Jobsuchende dar.

 

 

Korosec will Vorteile für Unternehmen, die „gesellschaftlich sozial“ handeln:
„Firmen mit älteren Beschäftigten bei öffentlichen Aufträgen bevorzugen!“

Ingrid Korosec, Präsidentin des Österreichischen Seniorenbundes und Präsidentin des Wiener Seniorenbundes, fordert, dass künftig öffentliche Aufträge bevorzugt an jene Unternehmen gehen sollen, die auch ältere Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer beschäftigen.

 

„Der Seniorenbund möchte erreichen, dass Betriebe, die Über-Fünfzigjährige beschäftigen, keinen Wettbewerbsnachteil haben – mehr noch: Diese Firmen werden sogar einen geschäftlichen Vorteil daraus ziehen, dass sie gesellschaftlich sozial handeln“, stellt Korosec in Aussicht.

 

Nicht zuletzt werde durch die vom Seniorenbund geforderte gesetzliche Maßnahme ein „Impuls zur Sicherung und Schaffung von Arbeitsplätzen bei älteren Personen“ gesetzt. Dies sei angesichts der anhaltend hohen Arbeitslosenrate dieser Gruppe „mehr als wünschenswert“, vertritt die Präsidentin des ÖSB.


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